Nachhaltigkeitsleitfaden HH
4.3 Anforderungen an den Product Carbon Footprint (PCF) bzw. eine Treibhausgasneutralität – PDF-Seite 57
57 – Anforderungen an die ökologische Nachhaltigkeit
Gleiche Herausforderungen bei der Bestimmung von CO2-Schattenpreisen im Bereich Liefer- und Dienstleistungen
emissionen entlang des Lebenszyklus eines einzelnen Produkts bewertet.
1Eng verknüpft mit der Bestimmung des PCF ist auch das Konzept der „CO2-Schattenpreise“.2Die Idee ist es, hierbei für zu beschaf fende Produkte, die aus der Herstellung, Nutzung und Entsorgung über den Lebensweg entstehenden CO2-Äquivalente zu bestim men (also den PCF zu berechnen) und diese CO2-Emissionsmenge mit den jeweils aktuellen Kosten für CO2-Emissionen am Markt zu bewerten.3Diese emissionsbedingten „Schattenkosten“ sollen dann zum Beispiel im Rahmen einer Lebenszykluskostenrechnung mit in die ökonomische Angebotsbewertung einfließen58.
1Werden bei einer solchen Bilanzierung der Unternehmensaktivi täten auch die vorgelagerten Prozesse der Herstellung und An lieferung der Vorprodukte sowie die nachgelagerten Prozesse der Auslieferung dieser Produkte mit betrachtet, so ergibt sich grundsätzlich natürlich eine Überschneidung mit den PCFs der Produkte des jeweiligen Unternehmens.2Allerdings ist nach den Vorgaben des sogenannten GHG-Protocol Corporate Standard59, auf dem die meisten derzeitigen CCF-Berechnungen basieren, die Betrachtung dieser sogenannten „Scope 3 Emissionen“ (die vor- und nachgelagerte Wertschöpfungskette) nur optional und nicht verpflichtend.
Die zuvor skizzierten methodischen und praktischen Umsetzungs hemmnisse und die daraus resultierenden Unsicherheiten bei der PCF-Berechnung gelten unmittelbar auch für die Bestimmung von CO2-Schattenpreisen.
Hingegen werden bei Berichterstattungen im Rahmen der CSRD (Corporate Sustainability Reporting Directive)60, die im Januar 2023 in Kraft getreten ist, Scope 3 Emissionen berücksichtigt.
Kein unmittelbarer Produktbezug beim Corporate Carbon Footprint (CCF)
1Werden Scope 3-Emissionen mitbilanziert, so werden dort an dererseits auch CO2-Emissionen erfasst, die in einem PCF nicht erfasst werden, wie beispielsweise Arbeitswege der Beschäftigten, Dienstreisen oder auch Investitionen des Unternehmens.2Unter anderem aus diesen Gründen bildet die Summe aller PCFs eines Unternehmens de facto nicht den CCF des Unternehmens, und
1Beim Corporate Carbon Footprint (CCF) handelt es sich um die Treibhausgasbilanz eines Unternehmens oder einer Organisation – und nicht etwa um den CO2-Fußabdruck von Produkten.2Beim sog. Product Carbon Footprint (PCF) werden die Treibhausgas
158 Die Allgemeine Verwaltungsvorschrift zur Beschaffung klimafreundlicher Leistungen (AVV-Klima) enthält u. a. entsprechende Vorgaben.259 Vgl. https://ghgprotocol.org/corporate-standard.360 Richtlinie (EU) 2022/2464 des Europäischen Parlaments und des Rates vom 14. Dezember 2022 zur Änderung der Verordnung (EU) Nr. 537/2014 und der Richtlinien 2004/109/EG, 2006/43/EG und 2013/34/EU hinsichtlich der Nachhaltigkeitsberichterstattung von Unternehmen.